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Junge
Familie
Im Sommer 1975, unmittelbar nach Ausbildungsabschluss heiratete
ich René Müller, der damals auf dem zweiten Bildungsweg
an der ETH Forstwirtschaft studierte. Damit sollte sich meine
eigene Tätigkeit immer mehr auf die Bedürfnisse
meiner wachsende Familie ausrichten, war doch für unseren
ursprünglichen Wunsch zur hälftigen Aufteilung der
Berufsarbeit, die Zeit noch nicht reif. Sein letztes Ausbildungspraktikum
absolvierte René in den USA, so dass wir 1977, nach
der Geburt unseres ersten Kindes Lukas, gemeinsam ein halbes
Jahr in Kalifornien verbrachten.
à Zeitungsartikel mit Bild Sonora Zwei Jahre später,
kurz nach der Diplomierung meines Mannes, traf uns mit dem
Tod unseres zweiten Kindes ein erster Schlag. Unser Töchterchen
Veronika erlag noch im Spital einem schweren Herzfehler. Es
war schmerzhaft. Doch es wurde auch zu einer lehrreichen,
bedeutungsvollen und ermutigenden Erfahrung und ebnete zudem
den Weg für anderes.
Mit Helvetas in Bhutan
Mein Mann René hatte seit langem den Wunsch gehegt,
in der dritten Welt zu arbeiten. Die Stellen für frisch
ausgebildete Forstingenieure waren rar. So bewarb er sich
für einen Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit.
Als dreiköpfige Familie zogen wir für die HELVETAS
im Frühling 1979 ins noch weitgehend unbekannte Königreich
Bhutan. Der Wechsel war krass. Mitten aus der Stadt Zürich
sahen wir uns in ein abgelegenes Himalaya - Bergtal versetzt.
Das Leben ohne elektrischen Strom, ohne Telefon, ohne regelmässige
Postverbindung, die spärlichen Einkaufmöglichkeiten
und das Fehlen öffentlicher Verkehrsmittel erforderten
eine sehr plötzliche Umstellung und weitgehende Selbstversorgung.
Dies war eine gewaltige Herausforderung und Anlass für
ganz neuartiges Lernen, speziell für mich. Weder hatten
wir richtig erahnen können, wie ganz anders das Leben
sein kann, noch wie viel Reiz wir diesem harten Leben abgewinnen
und wie lange wir da oben bleiben würden. Sobald es gelungen
war, die lokale Sprache mit Mund und Ohren genügend zu
erfassen, mit den Menschen der Umgebung vertraut zu werden
und die arbeitsintensive Haushaltung einigermassen in den
Griff zu bekommen, wurde der Aufenthalt zu einer grossartigen
und äusserst lehrreichen Erfahrung.
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Im September 1980 wurde unser Sohn Andreas
zuhause geboren, noch bevor der persönlich abgeholte
Arzt eingetroffen war. Ein halbes Jahr später –
während unseren Ferien in Sri Lanka- brach bei meinem
Mann eine lebensgefährdende Krankheit aus, die uns nach
langem Spitalaufenthalt vorübergehend in die Schweiz
brachte.1982 war unsere Familie mit unserem dritten Sohn,
Matthias, vollständig.
Unsere Kinder wuchsen in einer überschaubaren, einfachen
Welt auf, ohne die Errungenschaften des modernen Lebens. à
Foto Buben mit Nachbarskindern „Omnibus“ Wir lernten,
das Leben und seine Tücken und Gefahren mit Gelassenheit
und Gottvertrauen hinzunehmen, zeitweilige Entbehrungen mit
Fantasie zu überbrücken und auch Unsicherheiten
auszuhalten. Zu den prägenden Lektionen der Lebensschule
gehörte auch der schwere Unfall, als ich und von einem
voll beladenen Jeep überfahren wurde. Die ganze Umgebung
kam uns zu Hilfe und half mir zusammen mit meiner Familie
die schwerwiegenden Verletzungen und die unsagbaren Schmerzen
auszuhalten und zu überleben. Meine plötzliche Schwäche
liess mich auf andere angewiesen sein und verlieh mir wohl
gerade dadurch ganz besondere Erfahrungen und einen vertieften
Zugang zu den Menschen und der Kultur um mich herum. Noch
heute erfüllt mich eine unendliche Dankbarkeit, dass
ich überlebte und gesund werden durfte. Es lehrte mich
Zuversicht und Gelassenheit, die Gewissheit über die
göttliche Tragfähigkeit, die mir seither jeden neuen
Tag zum Geschenk macht.
Zurück in die Heimat und ins
Säuliamt
Im Frühling 1985 verliessen wir Bhutan und zogen nach
Knonau/ZH, wo wir einen alten Bauernhausteil erwerben konnten.
Der Wechsel war drastisch und für unsere Kinder nicht
ganz einfach. Durch die Schule fanden wir alle schnell Anschluss
im Dorf. Wir genossen Kultur und Menschen und beteiligten
uns an den dörflichen Aktivitäten. Mein Mann eröffnete
sein eigenes Forstliches Ingenieurbüro und konnte zuhause
seine Aufträge planen und ausführen. Ich brauchte
noch lange, bis ich mich wieder gesund fühlte. Eine ausserhäusliche
Berufstätigkeit, neben Haushalt und Kindern, kam für
mich nicht in Frage, dazu reichte die Kraft noch nicht.
Im Sommer 1986 wurde ich für die Mitarbeit in der Frauenkommission
der Oberstufenschulpflege angefragt. Es war mein Einstieg
in die behördliche Tätigkeit.
Zwei Jahre später wurde ich zur Friedensrichterin von
Knonau gewählt. In unserer Stube als Amtlokal führte
ich dieses Nebenamt während 9 Jahren aus. Die Begegnungen
und die Möglichkeit, verfahrene Situationen zu klären
und zur Versöhnung beizutragen, empfand ich als schöne
und wesentliche Aufgabe. Dabei konnte ich mich praxisorientiert
weiterbilden und neben juristischen Kenntnissen auch Verhandlungsgeschick
und konstruktive Konfliktbewältigung einüben.
Im Sommer 1994 wurde ich für das Amt der Schulpräsidentin
angefragt. Seither hat sich gar manches in der Schule verändert,
die Fünftage Woche hielt Einzug, die Buben können
am Handarbeits- und Hauswirtschaftsunterricht teilnehmen -
und die Fünftklässler/innen lernen französisch.
Die Volksschulreform ist während Jahren schrittweise
erfolgt, die Neufassung des Volksschulgesetzes hat jedoch
Schiffbruch erlitten. Im Kantonsrat
werde ich mich für eine rasche Wiederaufnahme der Verhandlungen
einsetzen und hoffe, dass die strittigen Details zum Wohle
der Kinder gelöst werden können.
Familie, Spiel und Sport
In einem Bubenhaushalt spielte der Ball eine wichtige Rolle.
Während Jahren wurde in jeder freien Minute getschuttet.
Unsere drei kräftigen Söhne verfügten zuweilen
über sehr viel Energie. Um diese auf konstruktive Bahnen
zu leiten, wurde im Winter mit allen dreien und einigen Freunden
im Wald gearbeitet. Auch bei der Hausrenovation konnten sie
schon mitwirken. Ob es wohl diese Erfahrungen waren, die sie
alle drei den Schreinerberuf erlernen liessen?
Weil in unserer Familie der Fernseher fehlte,
wurde viel gespielt und zunehmend auch Sport betrieben. Lukas
war im FC Affoltern, Matthias später im FC Cham. Vater
René gelang es, den Rest der Familie für den Orientierungslauf
zu begeistern, sodass wir zu regelmässigen OL-Läufern
und zu aktiven Mitgliedern in der OLG Säuliamt wurden.
Mit der Zeit gewann der Orientierungslauf die Vorliebe der
ganzen Familie. Dabei dauerte es keine zehn Jahre, bis die
Söhne besser wurden als ihre Eltern. Mit einer gezielten
Jugendförderung erhielten die Buben gutes Training und
viele neue Freunde. Dies bildete wohl die Basis für den
erfolgreichen Aufstieg ins Zürikader von Andreas und
Matthias. 1999 war Andi Schweizermeister im Einzel OL und
holte gute Resultate im europäischen Juniorenländerkampf.
Heute ist Andi Mitglied im schweizerischen nationalen OL Kader.
Zurück ans Fenster
1997 kehrte ich schliesslich in die Berufstätigkeit zurück.
Im Zuge der wachsenden Arbeitslosigkeit wurde ein Lehrgang
für erwerbslose Erwachsene an der Allg. Berufsschule
Zürich, Abteilung für Detailhandel, ausgeschrieben.
Als Lehrbeauftragte ergab sich für mich hier eine wunderbare
Möglichkeit, Sozialarbeit und Schule zu verbinden.
Später unterrichtete ich Allgemeinbildung für junge Verkaufshelfer/innen in der Anlehre. Ein Lehrauftrag am SIU für Detailhandel kam dazu und seit mehreren Jahren auch meine Mitwirkung als Kursleiterin im Behördenschulungsangebot der Bildungsdirektion. In der Gundschulung geht es um die Einführung neu gewählter Schulpflegemitglieder in die Behördenarbeit. Mein Kursangebot „Persönliches Kompetenzmanagement CH-Q – Referenz für Behördenmitglieder“ hat sich als wertvolle Zwischenbilanz oder Abschluss langjähriger Behördenarbeit bewährt.
Am 1. April 2005 – nein ein Aprilscherz war es nicht! – habe ich mich selbstständig gemacht und ein eigenes Beratungsunternehmen "sozio-consult" gegründet. Meine Arbeitszeit lässt sich auf diese Weise besser mit der kantonsrätlichen Agenda und allem, was damit zusammenhängt verbinden. Ich biete Schulung und Beratung an und stehe als professionelles "Gegenüber" zur Verfügung, wo dies für Einzelne, Gruppen und Institutionen nützlich sein kann. Tagungsmoderation, individuelle Beratung oder auch die Organisation von Tagungen wie zB. “Gewählte Frauen“ im November 06 an der Uni Zürich kommen aus meiner „Küche“. Eine tolle Möglichkeit meine Fachkompetenz, Engagement und persönliche Gaben nutzbringend einzusetzen.
Meine Söhne sind nun erwachsen und bereits ausgezogen. Mein Mann führt die RENERCON Anlagen AG - Contracting für erneuerbare Energien, mit Sitz in Knonau. Seit ich wieder ganz über meine Zeit verfügen kann, ist der Schritt in die Politik möglich geworden. Heute bin ich bereits in der zweiten Amtsdauer im Zürcher Kantonsrat. Die Parlamentsarbeit gefällt mir gut. Natürlich beschränkt sie sich nicht nur auf den Ratsaal, sondern beinhaltet auch unzählige Stunden am Schreibtisch und am Computer. Öffentliche Auftritte gehören dazu wie auch viele persönliche Gespräche. Ob man sich daran gewöhne, werde ich oft gefragt. Ja, das tut man und umso besser, wenn man die Menschen gerne hat und sich über Begegnungen freut. Viel Arbeit geschieht auch in den Kommissionen. Nach zwei Jahren in der Kommission für Justiz und öffentliche Sicherheit bin ich seit drei Jahren Mitglied der kantonsrätlichen Geschäftsprüfungskommission. Ich habe die Volksinitiative „Chancen für Kinder“ mitinitiiert und zahlreiche Vorstösse mitunterzeichnet oder selber eingereicht. Und jetzt kandidiere ich für den Nationalrat. Ich bin auch weiterhin bereit, mich für eine nachhaltige, lebensfreundliche und gesunde Zukunft für alle einzusetzen und freue mich, wenn ich dies in Zukunft auch auf nationaler Ebene tun kann.
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